MontagsMoment | 23.03.26
Liebe Community,
Es gibt eine kleine Geschichte von Astrid Lindgren (Die Geschichte vom Stein), die sie selbst von einer alten Dame gehört hatte. Die Frau erzählte, dass früher fast alle Kinder geschlagen wurden, denn man glaubte, dass sie nur so artig und gehorsam werden. Auch sie hatte einen kleinen Sohn, Johan. Eigentlich wollte sie ihn nie schlagen, doch eines Tages kam eine Nachbarin und beschwerte sich, dass Johan Erdbeeren gestohlen habe. Und wenn er jetzt keine Prügel bekäme, dann würde er sein Leben lang ein Dieb bleiben. Verunsichert sagte die Mutter zu ihrem kleinen Sohn, er solle hinausgehen und eine Rute abschneiden, mit der er nun geschlagen werden würde. Johan ging weinend hinaus und es dauerte lange, bis er zurückkam. Aber eine Rute hatte er keine in der Hand. Stattdessen hielt er einen Stein hin und sagte, dass er keine Rute gefunden habe, aber die Mutter diesen Stein auf ihn werden kann. In diesem Moment verstand die Mutter, was ihr Kind gedacht haben musste: „Wenn Mama mir wehtun will, kann sie das mit einem Stein noch besser.“ Da begann auch sie zu weinen und schämte sich und nahm ihren Sohn in die Arme. Sie beschloss in diesem Moment, ihn niemals zu schlagen. Den Stein legte sie in ihr Küchenregal. Dort bleib er liegen, als tägliche Erinnerung.
Momentan geschieht so viel Leid in der Welt. Kriege, Gewalt, Konflikte erreichen uns täglich und irgendwie scheint einem der Frieden völlig aus den Fingern zu gleiten. Manchmal entsteht dabei auch das Gefühl, selbst so ein winziger Teil zu sein und nichts tun zu können. Aber ich glaube, dass Frieden auch im Kleinen stattfinden kann. In unseren Familien, Freundschaften und unserem Alltag. Natürlich lassen sich davon die großen Konflikte der Welt nicht beenden, aber wir können entscheiden, wie wir miteinander umgehen, ob wir zuhören oder schreien, ob wir verletzen oder aufbauen. Und vielleicht sind diese Entscheidungen unsere Friedens-Steine, die wir weitergeben.
Eure Lea Bernardy
Wer noch einmal nachlesen will: Festrede von Astrid Lindgren, 1978

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